Dienstag, 25. Oktober 2011

Il bagno

Das Bad                                                                                                               97-03-xx                         

Frau Nadina Abarth erwähnte einmal "das Bad" unter dem Büro der Verwaltung des Abarth-Werkes.

Auch die Arbeiter erwähnten es dann und wann.

Bei meinen Recherchen fotografierte ich das leere Werk nach dem Auszug 1994 möglichst vollständig: Aber der Teil der Büros war mir stets verschlossen geblieben.

1997 nahm ich einen erneuten Anlauf, die Gebäude im Bürobereich waren erneut vermietet, an eine Karrosserieteilefirma, der andere Teil Cso. Marche 18 war an die Firma Ocent, die mir freundschaftlich entgegenkam, vermietet. Der mittlere Teil stand noch leer und wurde entkernt.



Ich kletterte eine Feuertreppe hinauf, gelangte über das Dach zu einer weiteren Treppe und stieg hinab. Mehrere Wochenenden verbrachte ich fotografierend und filmend, versuchte wochentags immer wieder, hineinzugelangen, aber in der Karrosserieteilefirma stieß ich im Gegensatz zu Ocent auf taube Ohren.

Wenigstens wollte ich vom Dach heraus die Gebäude fotografieren, was letztendlich zu meiner Festsetzung durch Mitarbeiter führte, die mich erst fragten, was ich dort machte.

Ich antwortete ihnen, wie auf dem Band zu hören: "Das sehen sie doch, ich filme und mache Fotos."

Man forderte mich auf, herabzusteigen, was ich dann auch tat. Der Reisepaß, die Visitenkarten, die ich bereits Tage zuvor abgegeben hatte und meine Erklärungen ersparten mir eine Hinzuziehung der Polizei. Welcher Einbrecher weist sich schon im Vorhinein aus?

(Bei derartigen Aktionen hatte ich immer meinen Reisepaß zum Ausweisen bei mir, was mir letzten Endes wenigstens den Erhalt meines Reisepasses brachte, weil ich ihn in einer schmutzigen Hose vergaß; die restlichen Papiere bekam ich in Ventimiglia entwendet, die sauberen Kleidungsstücke noch in Turin, seitdem ließ ich mein Reisegepäck immer bei Ocent und die wirklich nötigen Sachen in der Wohnung von Nadina Abarth.)

Dann telefonierte man mit dem Besitzer des Werkes, und ich rief ihnen dazwischen, daß man mir seine Adresse nun schon seit einer Woche verweigere. Er bat sie, mir den Hörer zu geben und ich machte mit ihm für den übernächsten Morgen einen Termin aus.

Als wir nun im Abarth-Werk erschienen, standen mir nicht nur die gewöhnlichen Türen auf; nachdem ich ihn fragte, ob es dort ein Bad gebe, bestätigte er dieses und führte mich auch dort hin. Von der Straße aus hätte man nichts derartiges dort unten vermutet. Für die damalige Zeit war das Bad erstaunlich modern, geräumig und luxuriös, wenn auch mittlerweile sehr eingestaubt.



Neben dem Bad befindet sich ein weiterer, größerer Raum, der wohl auch Ruhezwecken diente.

Als wir uns von den Mitarbeiterinnen in den Büros verabschiedeten, hatte ich das Gefühl, sie verstanden gar nicht, was ich dort unten in dem schmutzigen Bad wollte.

Später durfte ich Cavalliere Sibille dann interviewen, er erklärte, daß das Abarth-Werk früher einmal Mario Boano gehört hätte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen